Studienkredit: Wann er sinnvoll ist und worauf achten

Rund um die Studienfinanzierung halten sich Annahmen, die Studierende teuer zu stehen kommen. Die verbreitetste: Ein Studienkredit sei die naheliegende Lösung, wenn das Geld knapp wird. Tatsächlich steht er in der sinnvollen Reihenfolge ganz hinten. Wer die Konditionen vergleicht, etwa über kreditmentor.de/studentenkredit/, sieht die Unterschiede zwischen den Angeboten sofort.

Diese fünf Irrtümer begegnen Studierenden am häufigsten.

Irrtum 1: Studienkredit und BAföG schließen sich aus

Das stimmt nicht. Ein Studienkredit hat keinen Einfluss auf die Höhe des BAföG, und beide Programme lassen sich kombinieren. Viele Studierende nutzen genau das.

Der Unterschied liegt in der Rückzahlung, und der ist erheblich:

BAföG KfW-Studienkredit
Auszahlung bis 992 € pro Monat 100 bis 650 € pro Monat
Zinsen keine derzeit über 6,5 %
Rückzahlung maximal 10.010 € insgesamt volle Summe plus Zinsen
Abhängig vom Elterneinkommen ja nein
Gebunden an Regelstudienzeit ja flexibler

Beim BAföG ist die Rückzahlung gedeckelt, beim Studienkredit nicht.

Der Unterschied in Zahlen: Wer 500 Euro monatlich über vier Jahre als Studienkredit aufnimmt, erhält 24.000 Euro und zahlt durch die Zinsen deutlich mehr zurück. Beim BAföG wären es maximal 10.010 Euro, unabhängig von der ausgezahlten Gesamtsumme.

Daraus folgt die Reihenfolge: Erst BAföG beantragen, auch wenn Sie einen Ablehnungsbescheid erwarten. Der Antrag kostet nichts und die Berechnungsgrundlagen ändern sich häufiger, als Studierende annehmen.

Irrtum 2: Der KfW-Studienkredit ist die günstigste Option

Er ist die bekannteste, aber nicht die günstigste. Die Zinsen des KfW-Studienkredits liegen derzeit bei über 6,5 Prozent und werden halbjährlich angepasst.

Günstiger ist der Bildungskredit des Bundesverwaltungsamts mit rund 3,7 Prozent effektivem Zins. Allerdings mit Einschränkungen:

  • Höchstens 300 Euro pro Monat
  • Maximal 24 Monate Laufzeit
  • Nur in der fortgeschrittenen Phase des Studiums, also nach abgeschlossener Zwischenprüfung oder in vergleichbarem Stadium

Für die Schlussphase eines Studiums ist der Bildungskredit damit die erste Wahl. Für längere Zeiträume oder höhere Beträge bleibt der KfW-Studienkredit die praktikable Option.

Ein Punkt, der bei der Kalkulation oft fehlt: Beim KfW-Studienkredit fallen die Zinsen bereits während der Auszahlungsphase an und werden dem Darlehen zugeschlagen. Nach vier Jahren Auszahlung ist die Schuld also höher als die Summe der ausgezahlten Beträge.

Irrtum 3: Studienkredite haben feste Zinsen

Der KfW-Studienkredit hat einen variablen Zinssatz, der halbjährlich neu festgelegt wird. Für Studierende bedeutet das Planungsunsicherheit über die gesamte Laufzeit, die inklusive Rückzahlung 15 bis 20 Jahre betragen kann.

Es gibt allerdings eine Absicherung: Zu Beginn der Rückzahlungsphase lässt sich ein Festzins vereinbaren. Wer das nutzt, kennt seine Rate für den Rest der Laufzeit.

Prüfen Sie bei jedem Angebot außerdem diese Punkte:

  1. Effektiver Jahreszins, nicht der Nominalzins. Nur er enthält alle Kosten.
  2. Kostenlose Sondertilgung, damit ein Berufseinstieg mit gutem Gehalt die Laufzeit verkürzen kann.
  3. Karenzphase zwischen Studium und Rückzahlung. Üblich sind 6 bis 23 Monate, in denen nur Zinsen anfallen.
  4. Möglichkeit zur Ratenpause, falls der Berufseinstieg sich verzögert.
  5. Keine Bearbeitungsgebühren, die sind bei Verbraucherkrediten unzulässig.

Punkt drei ist wichtiger, als er klingt. Wer direkt nach dem Abschluss mit der Tilgung beginnen muss, während er noch im Praktikum oder Volontariat steckt, gerät schnell in Verzug.

Irrtum 4: Ohne Studienkredit geht es nicht

Bevor Sie einen Studienkredit aufnehmen, sollten diese Quellen geprüft sein:

BAföG. Immer zuerst, weil die Rückzahlung gedeckelt ist und keine Zinsen anfallen.

Stipendien. Es gibt in Deutschland deutlich mehr Stipendien, als vergeben werden. Neben den großen Begabtenförderungswerken existieren hunderte kleinere Stiftungen, teils mit sehr spezifischen Kriterien. Der Aufwand für die Bewerbung lohnt sich rechnerisch fast immer.

Nebenjob. Bis zur Minijobgrenze bleibt das Einkommen BAföG-unschädlich. Ein Job als studentische Hilfskraft im eigenen Fach bringt zusätzlich fachliche Erfahrung.

Wohnkosten senken. Der größte Posten im Studierendenhaushalt. Ein WG-Zimmer statt einer eigenen Wohnung spart 200 bis 400 Euro monatlich, mehr als jeder Nebenjob nach Steuern einbringt.

Unterhalt der Eltern. Rechtlich sind Eltern zum Unterhalt während der ersten Berufsausbildung verpflichtet. Wer das nicht erhält, kann BAföG-Vorausleistung beantragen.

Die sinnvolle Reihenfolge lautet damit: BAföG beantragen, parallel Stipendien verfolgen, für die Schlussphase den günstigeren Bildungskredit prüfen und den Studienkredit erst dann in Betracht ziehen, wenn nichts anderes greift.

Irrtum 5: Ein Studienkredit lohnt sich nie

Das ist die Gegenposition, und sie stimmt ebenso wenig. Es gibt Situationen, in denen ein Studienkredit die bessere Wahl ist:

Bei bewusst längerem Studium. Wer neben dem Studium arbeitet oder ein Auslandssemester einlegt, überschreitet die Förderungshöchstdauer des BAföG. Der Studienkredit ist flexibler, weil er nicht an die Regelstudienzeit gebunden ist.

Wenn das Elterneinkommen BAföG ausschließt, die Eltern aber tatsächlich nicht zahlen können oder wollen.

In der Abschlussphase. Wer den Nebenjob aufgibt, um die Abschlussarbeit zügig fertigzustellen, verkürzt das Studium oft um ein bis zwei Semester. Die dadurch früher beginnende Berufstätigkeit gleicht die Kreditkosten in der Regel aus.

Bei Studiengängen mit hohem Einstiegsgehalt. Bei Medizin, Jura oder Ingenieurwissenschaften ist die spätere Rückzahlung planbarer als bei Fächern mit unsicheren Berufsaussichten.

Rechnen Sie in jedem Fall konkret. Nehmen Sie die Kreditsumme, addieren Sie die Zinsen über die gesamte Laufzeit und teilen Sie das Ergebnis durch die erwartete monatliche Rate. Erst diese Zahl zeigt, wie lange Sie nach dem Abschluss zahlen.

Was Sie konkret tun sollten

  • BAföG beantragen, unabhängig davon, wie Sie die Chancen einschätzen.
  • Stipendien recherchieren, auch kleine und fachspezifische.
  • Für die Schlussphase den Bildungskredit des BVA prüfen, er ist deutlich günstiger.
  • Beim KfW-Studienkredit die Karenzphase und den Festzins zur Rückzahlung klären.
  • Sondertilgung vereinbaren, damit ein guter Berufseinstieg die Laufzeit verkürzt.
  • Nur so viel aufnehmen wie nötig, nicht so viel wie möglich.

Der letzte Punkt entscheidet über die Gesamtsumme. Wer 650 Euro monatlich abruft, weil es geht, statt 350, weil es reicht, verdoppelt seine Schuld nach dem Abschluss.

Was den Studienerfolg zusätzlich beeinflusst, ist die Organisation. Wer früh strukturiert vorgeht, braucht weniger Semester und damit weniger Geld. Der Beitrag darüber, welche Dinge Studenten zum Studienstart nicht aufschieben sollten, führt die wichtigsten Punkte auf. Und wer schon während des Studiums an den Berufseinstieg denkt, findet in den Hinweisen dazu, wie sich LinkedIn für Studierende nutzen lässt, den passenden Ansatz.

Aktuelle Bedingungen, Bedarfssätze und Antragsformulare für die staatliche Förderung stehen auf dem offiziellen BAföG-Portal.